Die Regionalgruppe Zürich der Schweizerischen Vereinigung der Eltern hörgeschädigter Kinder (SVEHK) unterstützt Eltern hörbehinderter Kinder. Marianne Pache, Präsidentin der Regionalgruppe Zürich und Cheryl Pollo, verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit, berichten über ihre ehrenamtliche Arbeit.
Woran merken Eltern, dass ihr Kind hörbehindert ist?
Marianne Pache: Es ist nicht immer ganz einfach, zu erkennen, ob ein Baby hörbehindert ist. Aber wenn Kleinkinder gehörlos oder stark schwerhörig sind, erschrecken sie beispielsweise bei lauten Geräuschen nicht, drehen den Kopf nicht auf Zurufe hin und ahmen keine Geräusche nach.
Wie kann der SVEHK Eltern hörbehinderter Kinder helfen?
Cheryl Pollo: Wenn Eltern entdecken, dass ihr Kind hörbehindert ist, ist das zunächst ein riesiger Schock. Die Diagnose «hörbehindert» erzeugt einen grossen emotionalen Druck bei den Eltern. Dazu kommen die hohen Kommunikationsschwierigkeiten mit dem Kind. Hier können wir die Eltern unterstützen.
Marianne Pache: Wir holen die Eltern mit ihren Sorgen ab. Wir helfen ihnen beim Verarbeiten, indem wir mit ihnen über unsere eigenen Erfahrungen reden und ihnen so zeigen, dass sie mit ihrem Schicksal nicht allein sind. Wir organisieren Anlässe für Eltern und hörbehinderte Kinder, diskutieren mit Fachleuten und vertreten unsere Anliegen gegenüber Institutionen und Ämtern.
Wieso ist es wichtig, dass die audiopädagogische Begleitung eines hörbehinderten Kindes so früh wie möglich erfolgt?
Cheryl Pollo: Das Sprachzentrum im Gehirn entwickelt sich in den ersten vier Lebensjahren. Wenn die Sprachentwicklung so gut wie möglich gefördert wird, erhalten die betroffenen Kinder einen guten Start in die Sprache.
Welche Rolle spielen dabei die Eltern?
Marianne Pache: Eine sehr wichtige. Sie können ihre Kinder die Welt mit Bildern erklären, aus Büchern vorlesen, Gebärden unterstützend einsetzen, Gegenstände in der Wohnung anschreiben. Es geht aber hauptsächlich um die Stärkung der Beziehung zwischen Eltern und Kind.
Was können hörbehinderte Kinder besser als hörende?
Marianne Pache: Sie sind oft sehr empathisch und können gut Gesichter interpretieren. So erspüren sie die Stimmung bei anderen.
Ihr eindrücklichstes Erlebnis in Ihrer Arbeit für den SVEHK?
Marianne Pache: Wir hatten an einem unserer Bubentage mal ein Fussballspiel organisiert, bei dem hörbehinderte und hörende Kinder miteinander spielten. Ein hörender Junge sagte nach dem Spiel: Es war so ruhig, ganz ungewohnt. Solche Anlässe fördern das Verständnis zwischen hörenden und hörbehinderten Kindern.
Cheryl Pollo: Ja, aber nicht nur der Austausch zwischen den beiden Welten ist wichtig. Für die hörbehinderten Kinder spielt es auch eine grosse Rolle, dazu zu gehören, nicht ausgegrenzt zu sein.