Anhand der Mimikresonanz können Gesichter gut gedeutet werden. Die sieben wichtigsten Expressionen werden hier kurz erklärt: Angst, Überraschung, Ärger, Ekel, Verachtung, Trauer und Freude.

Angst
Der mimische Ausdruck «Angst» wird häufig mit der Überraschung verwechselt. Bei der Angst ziehen sich die Augenbrauen nach oben hin zusammen. Es entstehen Falten längst auf der Stirn, aber hauptsächlich im Zentrum. Die oberen Augenlider sind sowohl bei der Angst, als auch bei der Überraschung nach oben gezogen. Bei der Angst zusätzlich zusammen. Zusätzlich sind bei dieser Expression die unteren Augenlider angespannt. Der Mund öffnet sich bei beiden mimischen Ausdrücken, wobei bei der Angst auch zusätzlich die Lippen nach außen gespannt sind.

Überraschung
Der mimische Ausdruck «Überraschung» wird häufig mit der Angst verwechselt. Bei der Überraschung ziehen sich die Augenbrauen nach oben, aber nicht zusammen, so wie dies bei der Angst der Fall ist. Es entstehen Stirnfalten in Richtung des Haaransatzes. Die oberen Augenlider sind sowohl bei der Überraschung als auch bei der Angst nach oben gezogen. Bei der Überraschung behalten sie ihre gebogene Form. Das untere Augenlid bleibt entspannt. Der Mund öffnet sich, bleibt aber ebenfalls entspannt. Eine echte Überraschung dauert maximal eine Sekunde. Hält sie länger an, wird der mimische Ausdruck künstlich erzeugt.

Ärger
Bei dieser mimischen Expression sind die Augenbrauen nach unten hin zusammengezogen und die oberen Augenlider hochgezogen. Weshalb der Blick uns «stechend» erscheint. Die unteren Augenlider sind angespannt und die Lippen zusammengepresst. In manchen Fällen sind die Lippen nicht zusammengepresst, sondern angespannt. Es handelt sich in diesem Fall um eine subtile bzw. weniger starke Expression. Zusätzliche Merkmale für «Ärger» können das Erröten oder Erblassen des Gesichtes sein, sowie eine erhöhte Muskelanspannung, welche z. B. an geballten Fäusten erkennbar ist.

Ekel
Beim Ekel lassen sich zwei Gesichtsausdrücke unterscheiden. Einmal die gekräuselte Nase mit nach unten gezogenen Augenbrauen. Die oberen Augenlider sind gesenkt und es bilden sich Falten unterhalb des Auges. Zusätzlich wird das untere Augenlid bei diesem mimischen Ausdruck hochgeschoben, ist aber entspannt. Die Oberlippe wird hochgezogen. Die Unterlippe kann mitgehen, muss aber nicht. Bei der zweiten Form des Ekels findet die Muskelbewegung nur im Bereich der unteren Gesichtshälfte statt. Die Oberlippe ist hochgezogen. Die Unterlippe kann auch hier ebenfalls angehoben sein, muss aber nicht.

Verachtung
Bei diesem mimischen Ausdruck findet die Muskelbewegung nur auf einer Gesichtshälfte statt. Der Mundwinkel wird dabei auf einer Seite eingepresst. Zusätzlich kann der Kopf angehoben und seitlich geneigt sein, so dass der Blick auf den Gesprächspartner herablassend wirkt. Während wir beim «Ekel» etwas abstoßend finden, wie etwa das Probieren saurer Milch, geht es bei der «Verachtung» um Negativhandlungen des Gegenübers, wie etwa unmoralische Handlungen oder schlechten Leistungen, die von uns missbilligt werden. Wenn wir «Verachtung» spüren, fühlen wir uns unserem Gesprächspartner überlegen.

Trauer
Bei der Trauer sind die inneren Augenbrauen nach oben gezogen, wodurch sich Querfalten im Stirnbereich bilden. Die Hautfalte unterhalb der Augenbrauen ist schräg zum Nasebein hin nach oben ausgerichtet. Daher bilden die Augenbrauen sowie die Hautfalte ein Dreieck. Oft sind bei dem mimischen Ausdruck der Trauer auch die Mundwinkel leicht nach unten gezogen und der Kinnbuckel angehoben. Die Trauer tritt beim Verlust einer geliebten Person oder Objektes auf und kann zusätzlich zu einem Absenken des Kopfes und Blickes sowie einer gekrümmten, in sich eingefallenen Körperhaltung führen. Der Mensch ist sichtlich traurig.

Freude
Bei der Freude wird zwischen zwei Formen des Lächelns unterschieden: Dem echten Lächeln und dem sozialen Lächeln. Beim sozialen Lächeln sind die Mundwinkel nach hinten und schräg nach oben gezogen. Die Wangen heben sich dadurch an. Bei dem echt erlebten Lächeln sind die Mundwinkel ebenfalls schräg nach oben gezogen. Es kommt bei diesem mimischen Ausdruck aber zusätzlich zu einem Absenken der Augendeckelfalte und zu Lachfältchen an den Augen. In manchen Fällen sind auch die Augenbrauen-Außenseiten abgesenkt. Auf einem Foto ist der Unterschied zwischen dem echt erlebten Lächeln und dem sozialen Lächeln nur schwer erkennbar, da die Muskelbewegungen entscheidend sind.
Quelle: Eilert, Dirk W. (2013): Mimikresonanz. Gefühle sehen. Menschen verstehen, Paderborn 2013.