In armen Ländern sind Kinder mit Hörbehinderung auf jede Hilfe angewiesen. Kinder in Myanmar erhalten von Hear the World eine Chance, am örtlichen Leben teilzuhaben.
Der südostasiatische Staat Myanmar, das frühere Burma, ist eines der ärmsten Länder Asiens: Im «Land der goldenen Pagoden» lebt etwa die Hälfte der Menschen unterhalb der Armutsgrenze. Fast fünfzig Jahre lang stand das Land unter Militärherrschaft – isoliert vom Rest der Welt. Auch wenn seit 2011 ein ziviler Präsident das Land regiert, sind für die etwa 52 Millionen Einwohner die Folgen der Militärdiktatur noch immer zu spüren, unter anderem in der Gesundheitsversorgung. In den Ranglisten der Weltgesundheitsorganisation ist Myanmar regelmässig eines der Länder mit der weltweit schlechtesten medizinischen Versorgung, eine Krankenversicherung gibt es nicht. Auf 1700 Einwohner kommt in Myanmar nur eine medizinische Fachkraft, audiologisch ausgebildet sind die wenigsten davon. Bis vor kurzem gab es sogar nur einen einzigen staatlich geprüften Audiologen im ganzen Land.



Wenn überhaupt, ist Hörversorgung in Myanmar nur in den grösseren Städten möglich – für die durchschnittliche Bevölkerung jedoch unbezahlbar. Die Menschen auf dem Land haben so gut wie keinen Zugang zu hörmedizinischer Versorgung. Besonders betroffen davon sind Kinder mit Hörverlust – für sie hängt ihre Zukunft ganz entscheidend davon ab, ob sie Hörhilfen bekommen und somit sprechen lernen können. Wer nicht hören und sprechen kann, hat so gut wie keine Chance auf einen einigermassen gut bezahlten Job und wird nicht selten sozial isoliert.


Einsatz an Schulen für Kinder mit Hörverlust
Die Schweizer Hear the World Foundation will gemeinsam mit der englischen Organisation «Mandalay School for the Deaf» die hörmedizinische Versorgung von Kindern in Myanmar verbessern, vor allem in ländlichen Gegenden. Dazu spendet die Hear the World Foundation seit 2017 Hörgeräte und Sonova Volunteers unterstützen das Projekt mit Freiwilligeneinsätzen.
Ein Team von Audiologen und Halsnasenohrenärzten aus Grossbritannien reist gemeinsam mit Hear the World Volunteers jedes Jahr in zwei Schulen für Gehörlose in Mandalay und Rangun, um die Kinder audiologisch zu versorgen und lokales Fachpersonal auszubilden. Im November 2018 war ein Team von insgesamt vier Sonova-Hörprofis in Myanmar im Einsatz. Dabei teilten sich die Volunteers auf: Ruth aus Belgien und Ceylan aus Dänemark versorgten die Kinder in Mandalay und Alan und Yufan aus China Kinder an der Schule in Rangun. Auf sie wartete ein enormes Arbeitspensum: Jeweils eine Woche lang führten die Experten detaillierte Hörtests bei neu eingeschulten Kindern durch und passten 78 neue Hörgeräte an. Besonderes Augenmerk legten sie auf die Otoplastiken, damit die Ohrpassstücke exakt sitzen, für die Kinder angenehm zu tragen sind und optimal funktionieren. Ebenso wichtig: Kinder, die bereits Hörgeräte tragen, durften zur Nachsorge kommen.
Gemeinsam verfolgen Ruth, Ceylan, Alan und Yufan ein Ziel: Sie wollen gutes Hören denjenigen ermöglichen, die ohne Hilfe kaum eine Zukunftsperspektive haben. Ihre neuen Hörgeräte helfen den Kindern in Myanmar nun, sich altersgerecht zu entwickeln – so wie ihre Altersgenossen ohne Hörverlust.




Vom Unterricht auf der Veranda zur Schule für 200 Kinder
Die «Mandalay School for the Deaf» geht auf die Engländerin Sandy Smith zurück, die die Schule vor etwa 50 Jahren gegründet hat. Zu dieser Zeit gab es lediglich im über 600 Kilometer entfernten Rangun eine Schule für Kinder mit Hörverlust. Die ausgebildete Gehörlosenlehrerin hatte sich zur Aufgabe gemacht, den gehörlosen Kindern in der Region zu helfen. Sie begann Flyer zu verteilen, auf die sie geschrieben hatte, dass sie gehörlosen Kindern helfen kann. Schon bald unterrichtete sie erste Kinder in Gebärdensprache – bei sich zu Hause auf der Veranda. Später gründete Sandy Smith eine weitere Schule in Rangun. In den darauffolgenden Jahren wuchsen die Schulen und wurden vom Staat übernommen. Heute besuchen über 200 Kinder diese Schulen – und erhalten die Chance, eines Tages ein ganz normales Leben zu führen.