In armen Ländern sind Kinder mit Hörbehinderung auf jede Hilfe angewisen. Kinder in Kanada erhalten von Hear the World eine Chance, am örtlichen Leben teilzuhaben.
Unendliche Weiten, Schnee und Eis – der Norden Kanadas erstreckt sich weit in arktische Regionen hinein. Nunavut, eine der nördlichsten Regionen Kanadas, liegt am Polarkreis und ist etwa sechsmal so groß wie Deutschland. Das Gebiet zählt mit knapp 32.000 Einwohnern und einer Bevölkerungsdichte von 0,01 Menschen pro Quadratkilometer zu den am geringsten besiedelten Regionen der Welt. Ein Grund sind mit Sicherheit die klimatischen Bedingungen: Die durchschnittlichen Januartemperaturen liegen in Nunavut unter −20 °C, im wärmsten Monat Juli schaffen es die Temperaturen nur in den südlichen Regionen über 10 °C.
Leben am Polarkreis – Ohrinfektionen kommen häufig vor
Rund 85 Prozent der Einwohner von Nunavut sind Inuit. So bezeichnen sich die indigenen Volksgruppen im arktischen Zentral- und Nordostkanada sowie auf Grönland. Sie leben in etwa 28 Gemeinden und haben kaum Zugang zu einer professionellen audiologischen Versorgung. Dies wäre jedoch dringend notwendig: Aufgrund von Ohrinfektionen tritt Hörverlust bei Kindern in arktischen Regionen um bis zu 40 Prozent häufiger auf als in südlicheren Gebieten.
Chancen auf Schulbildung
Das Projekt Better Hearing in Education for Northern Youth (BHENY) setzt sich dafür ein, die Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen mit Hörverlust in der entlegenen Qikiqtani-Region in Nunavut zu verbessern. Das Ziel: Schulkindern mit Hörverlust den Zugang zu Bildung und ihnen so bessere Chancen für ihre Zukunft zu ermöglichen. Ein weiteres Anliegen von BHENY ist es, einen Beitrag zum Erhalt der Kultur und Sprache der Inuit zu leisten.
Besseres Hören für bessere Noten
Das beste Mittel gegen Armut ist Bildung. Was aber, wenn Schüler mit Hörverlust ihre Lehrer nicht richtig verstehen können? Ein echtes Problem in einer Gegend, die so gut wie ohne audiologische Versorgung auskommen muss. Deshalb geht es BHENY erst einmal darum, dass Kindern mit Hörverlust zu besserem Hören verholfen wird. Genau hier kommt die Hear the World Foundation ins Spiel: Sie stattet seit diesem Jahr Klassenzimmer mit modernen FM-Systemen aus. Diese bestehen aus einer Kombination aus einem drahtlosem Mikrofon und speziellen Lautsprechern. Die Systeme verstärken die Stimme des Lehrers und helfen den Schülern, Anweisungen besser zu hören und zu verstehen. Dies wiederum führt zu verbesserten schulischen Leistungen.
Vier Säulen für die Zukunft
Neben der nachhaltigen Verbesserung der Unterrichtssituationen basiert das Projekt von BHENY auf drei weiteren Säulen, die jetzt schrittweise umgesetzt werden sollen: eine stärke Einbeziehung von Eltern und Gemeinden, die Weiterbildung von Lehrern im Umgang mit Kindern mit Hörverlust sowie ein verbesserter Zugang zu audiologischer Versorgung – für besseres Hören und Verstehen in einer der abgelegensten Regionen der Welt.