So hört die Welt

So hört die Welt in den Appalachen

In armen Ländern sind Menschen mit einer Hörbehinderung auf jede Hilfe angewiesen. Schwerhörige Erwachsene in den Appalachen erhalten von Hear the World eine Chance, am örtlichen Leben teilzuhaben.

Im Südosten des Staates Kentucky, mitten im Nirgendwo in den Appalachen, liegt ein Gebiet, das nicht so recht in das restliche Bild der USA passen will: Die Region rund um die Kleinstadt Beverly ist die ärmste der Vereinigten Staaten. Früher hat hier der Grossteil der Einwohner in den Kohlebergwerken geschuftet. Heute liegen viele der Werke still – die Arbeitsplätze verschwinden und das ohnehin geringe Einkommen bleibt aus. Mehr als ein Viertel der Menschen lebt in Armut.

Hilfe für Kentuckys Kumpel

Die schwere körperliche Arbeit im Kohleabbau hat bei den meisten Spuren hinterlassen. An was viele dabei nicht denken: Durch die hohe Lärmbelastung, der die Arbeiter fortlaufend ausgesetzt sind, ist Hörverlust weit verbreitet. Doch Hörgeräte sind in der bewaldeten Gebirgsregion Mangelware, Hörakustiker fehlen weit und breit. Und selbst wenn, könnten sich die Betroffenen die Hörgeräte auch nicht leisten. Darum engagiert sich die Hear the World Foundation schon zehn Jahre für Betroffene in dem kleinen entlegenen Ort.

Seit 2008 unterstützt die Stiftung die lokale Organisation Red Bird Mission and Clinic, die im Red Bird River Valley in der Aus- und Weiterbildung sowie der Gemeinschaftshilfe aktiv ist und jährlich rund 10.000 Menschen eine medizinische Grundversorgung ermöglicht. Die Hear the World Foundation spendet Hörgeräte und schickt regelmässig Experten, die mittlerweile wie alte Bekannte begrüsst werden. Denn ausser in den harten Wintermonaten, in denen einige Gebiete oftmals für Wochen von der Aussenwelt abgeschnitten sind, besuchen die Volunteer-Teams mehrmals im Jahr das Projekt: Sie führen Hörtests durch, passen Hörgeräte an, reparieren und zeigen den Betroffenen die Funktionen der modernen Geräte.

Alltag in Beverly

Darüber hinaus bezahlt die Hear the World Foundation seit 2014 die Krankenschwester Angela Hubbard, die sich in Beverly das ganze Jahr über um die Patienten kümmert. Angela ist in der Region aufgewachsen und konnte dank der Stiftung an mehreren audiologischen Schulungen, unter anderem in Chicago, teilnehmen. Heute ist sie erste Ansprechpartnerin für die Betroffenen, kontrolliert und erklärt diesen den richtigen Umgang mit ihren Hörgeräten und versorgt sie mit Ersatzbatterien. Ausserdem koordiniert sie die regelmässigen Volunteer-Einsätze.

«Ich hätte mir nie erträumt, dass wir hier jemals eine solch fundierte und konsequente hörmedizinische Versorgung anbieten können», freut sie sich. Und die Einwohner der Region blühen auf. So wie Sabrina, eine Mutter, die ihre Kinder jetzt anhand ihrer Stimmen auseinanderhalten kann. Wie der 92-jährige Bailey Morgan, der bei seiner Enkelin wohnt und sich jetzt wieder mit ihr unterhalten kann, ohne angebrüllt werden zu müssen. Oder ein Familienvater, der sich so sehr darüber gefreut hat, seine Frau wieder zu hören, dass er gleich sein Eheversprechen erneuern wollte.

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