So hört die Welt in Panama
In armen Ländern sind Kinder mit Hörbehinderung auf jede Hilfe angewiesen. Kinder in Panama erhalten von Hear the World eine Chance, am örtlichen Leben teilzuhaben.
Die Kindergeschichte von Janosch: «Oh wie schön ist Panama» – über die Reise von Tiger und Bär ist für viele die erste Begegnung mit dem mittelamerikanischen Land. Dazu ist Panama vor allem für den Panamakanal bekannt: eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt, die den Atlantik mit dem Pazifik für die Schifffahrt verbindet und als achtes Weltwunder gilt. Der Kanal ist gleichzeitig auch die wichtigste Einnahmequelle des Landes und hat dazu beigetragen, dass Panama laut Weltwirtschaftsforum den zweiten Platz im Lateinamerika-Ranking belegt.
Was viele allerdings nicht wissen: Das Land mit seinen rund 3,5 Millionen Einwohnern ist von ökonomischen Ungerechtigkeiten geprägt. 26 Prozent der Bevölkerung lebt in Armut und hat praktisch keinen Zugang zu medizinischer Versorgung.
Kaum Zugang zu audiologischer Versorgung
Obwohl im Gesundheitssektor in punkto hörmedizinischer Versorgung große Fortschritte gemacht werden, übernimmt das staatliche Gesundheitssystem nur für einen Bruchteil der Menschen die Kosten für Hörgeräte und Sprachtherapie. Besonders für Kinder mit Hörverlust aus Familien mit geringem Einkommen kann dies fatale Folgen haben: Denn wer nicht hört, lernt nicht sprechen und hat somit kaum Chancen auf Schulbildung und ein eigenständiges Leben. Daher ruht für viele bedürftige Familien die Hoffnung auf der Fundación Pro Integración (FUNPROI), einer Non-Profit-Organisation, die bedürftige Kinder kostenlos hörmedizinisch versorgt.
Hilfe auch für Kinder mit hochgradigem Hörverlust
Seit 2013 wird FUNPROI von der gemeinnützigen Hear the World Foundation mit Hörgeräten, Expertise und finanziellen Mitteln unterstützt. Bereits hunderten von Kindern mit Hörverlust konnte so geholfen werden. Kindern, bei denen nicht einmal die leistungsstärksten Hörgeräte halfen, blieb die Chance auf besseres Hören bislang jedoch verwehrt.
Daher spendete die Hear the World Foundation Anfang des Jahres erstmals in der über zehnjährigen Geschichte der Stiftung Cochlea-Implantate (CI) für drei betroffene Kinder. Eine Herausforderung, da eine CI-Versorgung neben dem operativen Eingriff auch eine besonders engmaschige Vor- und Nachversorgung erfordert.
Das erste Mal im Leben richtig Hören
Die Aktivierung der CIs rund sechs Wochen nach der Operation ist dabei ein besonders emotionaler Moment: Ivana (3 Jahre), Jozmar (4 Jahre) und Alejandro (4 Jahre) beginnen zu strahlen. Man kann es in ihren Augen ablesen, dass sich gerade etwas Wunderbares ereignet und Grundlegendes in ihrem Leben verändert hat – sie können zum ersten Mal richtig hören. Ein großer Tag für die drei Kinder aus Panama, die alle aus benachteiligten Familien stammen: Denn für sie eröffnet sich eine neue Welt, in der sie hören können, und damit die Chance auf Spracherwerb, Schulbildung und auf ein eigenständiges Leben.
Wissen vermitteln – Nachhaltigkeit sichern
Ein wesentlicher Aspekt des Engagements von Hear the World ist die professionelle Nachversorgung. Eine zentrale Rolle spielen dabei die CI-Experten der Sonova-Tochter Advanced Bionics.
Diese begleiten das Projekt vor Ort, leiteten die Aktivierungen der CIs und geben ihr Know-how an die FUNPROI-Audiologen weiter, sodass diese die Kinder künftig eigenständig nachversorgen können. Neben der regelmäßigen Kontrolle der CIs erhalten die Kinder dreimal wöchentlich ein Sprachtraining, um ihre aktuellen Sprachdefizite in den nächsten zwei bis drei Jahren auszugleichen und sie für die Schule vorzubereiten.
Auch die Eltern werden im Umgang mit CIs geschult und erhalten Tipps wie sie ihre Kinder auf spielerische Art und Weise beim Sprachtraining zu Hause unterstützen können. So ermöglicht die Hear the World Foundation den Kindern eine nachhaltige audiologische Versorgung nach internationalen Standards und damit bessere Perspektiven für ihre Zukunft.