So hört die Welt

So hört die Welt in Haiti

In armen Ländern sind Kinder mit Hörbehinderung auf jede Hilfe angewiesen. Kinder in Haiti erhalten von Hear the World eine Chance, am örtlichen Leben teilzuhaben.

Bergiges Hinterland, karibische Strände und tropisches Klima: Eigentlich ist Haiti eine Insel wie aus dem Bilderbuch. Wären da nicht die zahlreichen Verwüstungen durch Naturkatastrophen, die instabile politische Lage und das niedrige Einkommensniveau.

Haiti, das auf der gleichen Insel wie die Dominikanische Republik liegt, gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Die rund 11 Millionen Einwohner leben im Jahr durchschnittlich von 480 US-Dollar und leiden unter einer mangelhaften medizinischen Versorgung. Das trifft auch Kinder mit unversorgtem Hörverlust schwer, die ohne Hilfe häufig ausgegrenzt und benachteiligt werden.

Ein Ort mit einer Vision

An der Westküste Zentralhaitis, rund 40 Kilometer außerhalb der Hauptstadt Port-au-Prince, liegt der kleine Ort Lévèque. Das Besondere: Nach dem verheerenden Erdbeben von 2010 mit hunderttausenden Toten wurde dort eine Lebensgemeinschaft gegründet, die mehr als 160 gehörlose Familien beheimatet. Außerdem gibt es in Lévèque die Haiti Deaf Academy, eine Schule für benachteiligte Kinder mit Hörverlust, die sich um ihre Sprachentwicklung, ihre akademische und berufliche Bildung sowie ihre spätere Integration in den Arbeitsmarkt kümmert.

Seit 2012 unterstützt die Hear the World Foundation zusammen mit der Organisation Commissioned Believers Deaf Ministry (CBDM) die Deaf Academy, um Kindern und ihren Familien langfristigen Zugang zu einer audiologischen Versorgung und Sprachtherapie zu ermöglichen. Die Stiftung stellt Hörgeräte, audiologisches Equipment und finanzielle Mittel zur Verfügung.

Außerdem schickt sie mehrmals im Jahr freiwillige Helfer – Mitarbeitende des Schweizer Hörlösungsanbieters Sonova – nach Lévèque, um direkt vor Ort zu helfen. Diese führen Hörtests durch, passen Hörgeräte an, machen Nachkontrollen bei bereits versorgten Kindern und reparieren defekte Hörgeräte. Außerdem bieten sie umliegenden Schulen Hörscreenings an, um Hörverlust so früh wie möglich zu identifizieren und zu versorgen.

Engagement, das bewegt

Darüber hinaus bilden die Freiwilligen lokale Arbeitskräfte aus. Denn nur mit dem entsprechenden Know-how direkt vor Ort ist eine nachhaltige hörmedizinische Versorgung – und damit der langfristige Projekterfolg – gewährleistet. Außerdem werden so Arbeitsplätze und damit Zukunftsperspektiven für die lokale Bevölkerung geschaffen. Durch das Engagement ändert sich jedoch nicht nur das Leben in Haiti: «Seit meinem ersten Einsatz vor Ort geht mir das Projekt nicht mehr aus dem Kopf. Jetzt sehe ich meinen Platz in der Welt mit ganz neuen Augen und erkenne, wie viel ich eigentlich bewirken kann», so Marisa Breslin, die als Technical Support Manager beim Hörgerätesteller Phonak in den USA arbeitet.

Das Projekt Hear Haiti wurde Anfang 2017 mit dem Richard Seewald Award ausgezeichnet. Der Preis wird jährlich an ein von der Stiftung unterstütztes Projekt verliehen und würdigt außerordentliche Visionen, Expertise und Leidenschaft.

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