Peter Bachmann ist Co-Institutionsleiter der SEK3, eine Oberstufe für Schwerhörige und Gehörlose. Die SEK3 ist Mitglied beim Schweizerischen Hörbehindertenverband.
Kürzlich mussten Oberstufenschüler/-innen der SEK3 davon ausgehen, dass ich auf sie böse bin. Was ist passiert? Wegen einem personellem Engpass sprang ich in unserer Wohngruppe ein, um als Institutionsleiter auch Neues zu entdecken.
Es verlief zunächst reibungslos, nach dem Abendessen gab es anlässlich eines Geburtstages noch Kuchen und wir haben angestossen und gelacht. Die Nachtruhe wurde dann um 22 Uhr eingeläutet. Ich zog mich ins Pikettzimmer zurück, meine Ohren teilten mir bald mit, noch eine Kontrolle zu machen: zwei habe ich noch beim Umhergehen erwischt, angeblich Bauchschmerzen, danach war Ruhe und ich schlief zufrieden ein.
Später dann die Enttäuschung: Der Internatsleiter erfuhr, dass die Jugendlichen nochmals aufgestanden und noch lange nicht zu Bett gegangen seien. Warum sie ihm das erzählten? Ist halt schon lustig, den Schulleiter reinzulegen! Die Jugendlichen haben für den Regelbruch eine Strafe erhalten, ich wollte zusätzlich eine schriftliche Entschuldigung.
Eine Schülerin schrieb, dass sie in der Schule, welche sie früher besuchte, nicht gebärden durfte! Und es sei einfach toll und schön mit Freunden stundenlang plaudern zu dürfen und sie müsse nun jede Minute ausnützen, dies zu tun. Überzeugend, nicht? Eine Strafe musste zwar sein, aber kein Mailänder Tribunal, mit Peers barrierefrei plaudern ist gelebte Bilingualität und ich bin keinesfalls mehr böse!