Vor 14 Jahren gehörte das Museum der Kulturen Basel zu den ersten Museen der Schweiz, das gehörlose Museums-Guides auf Augenhöhe anstellte. Heute wirkt Lua Leirner an Ausstellungen, Gebärdensprachvideos und Workshops mit und begleitet Projekte bereits während ihrer Entwicklung.
Der Beginn eines neuen Weges
Vor 14 Jahren hätte Lua Leirner wohl kaum gedacht, dass sie eines Tages selbst an einer Ausstellung mitarbeiten würde. Damals erhielt sie von einer Kollegin eine weitergeleitete Stellenausschreibung des Museums der Kulturen Basel. Eigentlich war die Bewerbungsfrist bereits abgelaufen. Trotzdem fragte sie nach und wurde überraschend doch noch zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. «Im Museum der Kulturen Basel war damals vieles Neuland für uns alle», erinnert sich Lua. Führungen für gehörlose Menschen wurden meist von hörenden Personen durchgeführt und von Gebärdensprachdolmetscher*innen übersetzt.
Als sie begann, selbst Führungen in Deutschschweizer Gebärdensprache anzubieten, war das für viele ungewohnt. «Plötzlich gab es keine Übersetzung mehr über eine andere Person. Die Kommunikation war direker, das Tempo anders und der Austausch auf Augenhöhe.» Diese Erfahrung prägte Lua nachhaltig. «Was damals als Nebenjob begann, hat mein Leben, meine berufliche Laufbahn und meinen Einsatz für Inklusion geprägt. Es zeigte mir, wie wichtig es ist, Brücken zu bauen, Menschen Chancen zu geben und Barrieren abzubauen.» Diese Erfahrungen flossen später in ihre Mitarbeit an der Ausstellung «Die Eule ist pink – Farbige Geschichten» ein. Darin erzählen Farben Geschichten. Sie stehen für Freude, Trauer, Hoffnung oder Zugehörigkeit und haben in verschiedenen Kulturen ganz unterschiedliche Bedeutungen. Die Ausstellung zeigt, was möglich wird, wenn Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen von Anfang an an ihrer Entwicklung beteiligt sind. Als Mitglied der Resonanzgruppe Inklusion brachte Lua gemeinsam mit anderen Beteiligten ihre Erfahrungen und Ideen ein. «Das Schönste war, dass unsere Ideen und Wünsche tatsächlich umgesetzt wurden. Wir konnten mitbestimmen und wurden ernst genommen.»
Gebärdensprache sichtbar machen
Ein besonderes Anliegen war für Lua die Gebärdensprache. Gemeinsam mit ihrer Schwester Lira setzte Lua die Gebärdensprachvideos für die Ausstellung um. Sie bereitete die Texte vor, nahm die Videos auf und kontrollierte anschliessend die Untertitel. Heute gehören die Videos selbstverständlich zum Rundgang durch die Ausstellung. «Die Videos in Gebärdensprache im Museum zu sehen, war für mich fast unbegreiflich. Nach 14 Jahren waren sie zum ersten Mal in Grossformat sichtbar. Das war etwas ganz Besonderes.» Neben den Gebärdensprachvideos bietet die Ausstellung weitere barrierefreie Zugänge – unter anderem Taststationen, Brailleschrift, einfache Sprache sowie Workshops für unterschiedliche Zielgruppen. Denn Barrierefreiheit bedeutet viel mehr als nur vereinzelte Massnahmen umzusetzen.
Der Weg geht weiter
Zu den bewegendsten Momenten zählt für Lua die Vernissage des Museums der Kulturen Basel im April 2026. Dort durfte sie erstmals an einer Ausstellungseröffnung eine Rede halten. Unter den Gästen waren ihre Mutter, ihre Schwester, Freundinnen und Freunde sowie Gaby Fierz, die ihr vor 14 Jahren die Chance gegeben hatte, im Museum zu arbeiten. «Wenn ich zurückblicke, hätte ich mir das vor 14 Jahren nie vorstellen können. Deshalb war das für mich eine ganz besondere Ehre.» Für die Zukunft wünscht sie sich, «mehr Sichtbarkeit und dass Gebärdensprache als sprachliche und kulturelle Minderheit ernst genommen wird.»