Aktuelle Neuigkeiten

Selbstständig als gehörloser Malermeister

Stefan Freiberger führt seit 2024 sein eigenes Malerunternehmen. Mit Kreativität, Präzision und viel Engagement zeigt er, dass Selbstständigkeit auch als gehörloser Unternehmer erfolgreich möglich ist.

Kreativität schon früh entdeckt

Schon früh interessierte sich Stefan Freiberger für Farben und visuelle Gestaltung. Da früher nur wenige Berufe für gehörlose Menschen zugänglich waren, entschied er sich bewusst für den Malerberuf. «Ich hatte Interesse an Farben und allem visuell Kreativen», erzählt er. Besonders wichtig sei für ihn damals auch gewesen, dass der Unterricht teilweise in Gebärdensprache stattfand. Stefan Freiberger absolvierte vier Jahre Fachschule für Malerei und Gestaltung sowie zusätzlich ein Jahr Meisterklasse. Insgesamt besuchte er fünf Jahre lang die Schule, um sich fachlich weiterzubilden.

Schritt in die Selbstständigkeit

Die Idee, ein eigenes Unternehmen zu gründen, begleitete ihn über viele Jahre. In seiner Familie gibt es mehrere selbstständige Personen. Trotzdem wurde ihm zunächst eher davon abgeraten, da Selbstständigkeit auch Sorgen und Verantwortung mit sich bringe. Seit 2024 führt Stefan Freiberger nun sein eigenes Unternehmen. Durch hohe Qualität, Zuverlässigkeit und Kreativität konnte er sich Schritt für Schritt einen Kundenstamm aufbauen. Besonders freut ihn, dass er bereits mehrere Monate als Subunternehmer tätig sein konnte. Bestärkt habe ihn vor allem der Wunsch nach mehr Freiheit im Arbeitsalltag. Gleichzeitig sieht er auch Vorteile darin, als gehörloser Handwerker mit gehörlosen Kundinnen und Kunden zusammenzuarbeiten: «Wenn ich als gehörloser Mensch einen Handwerker bestelle und er Gebärdensprache spricht, dann ist vieles leichter und angenehmer.»

Kommunikation auf Augenhöhe

Die Kommunikation mit Kundinnen und Kunden funktioniert heute auf unterschiedlichen Wegen. Telefonate laufen oft über eine Dolmetschvermittlung, vieles wird per SMS oder E-Mail organisiert. Auf Baustellen seien eine saubere Planung und klare Abläufe besonders wichtig. Viele Kundinnen und Kunden seien zunächst überrascht, wie gut die Verständigung funktioniere. «Am Anfang braucht es manchmal etwas Zeit, um in Kontakt zu kommen, aber dann wird es eine natürliche Kommunikation», sagt Stefan Freiberger. Gleichzeitig sieht er seine Gehörlosigkeit auch als Stärke: «Ich kann meinen Fokus besser auf das Visuelle richten und mich stärker auf Präzision und Sauberkeit konzentrieren.»

Räume gestalten mit Kreativität

Besonders gerne arbeitet Stefan Freiberger mit Tapeten und kreativen Wandgestaltungen. Ihm gefällt es, die Ideen seiner Kundschaft aufzunehmen und Räume zu gestalten, in denen sich Menschen wohlfühlen. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm eine Arbeit auf dem Bürgenstock. Dort gestaltete er im Hotelbereich Wände mit einer hochwertigen Luzerntapete. «Diese Tapete war sehr teuer und jeder Handgriff musste passen», erinnert er sich.

Viele Interessen und grosse Ziele

Neben seiner Arbeit als Malermeister produziert Stefan Freiberger Videos in Gebärdensprache, führt Sensibilisierungs-Workshops durch und gibt Gebärdensprachkurse. Aktuell absolviert er zudem an der HfH Zürich die Ausbildung zum Gebärdensprachlehrer. Für die Zukunft hat er klare Ziele. Sein Unternehmen soll weiter wachsen und später möchte er gehörlose Mitarbeitende oder hörende Personen mit Gebärdensprachkompetenz anstellen. «Es wäre toll, wenn die ganze Schweiz sieht, dass es möglich ist, als gehörloser Malermeister selbstständig zu sein», sagt Stefan Freiberger.