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Untertitel sichtbar machen

Im Theater Stadelhofen wurde getestet, wie Untertitel über spezielle Brillen direkt ins Sichtfeld der Zuschauer*innen eingeblendet werden können. Marcel Grissmer und Line Eberhard von der Co-Leitung des Theater Stadelhofen berichten über die ersten Erfahrungen mit dem Testlauf.

Suche nach einer passenden Lösung

Da das Theater Stadelhofen aufgrund seiner Grösse und der Situation mit den Säulen nicht geeignet ist, Untertitel oberhalb oder seitlich der Bühne einzublenden, suchte das Team nach einer praktikablen Lösung, die auch für die Zuschauer*innen befriedigend ist. Gleichzeitig sollen die Untertitel-Brillen auch neue Möglichkeiten schaffen, etwa für Vorstellungen mit Untertiteln in anderen Sprachen.

Das Theater Stadelhofen setzt sich seit längerer Zeit mit Fragen der Barrierefreiheit auseinander. Artikel 30 der UN-Behindertenrechtskonvention besagt, dass Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt am kulturellen Leben teilhaben können müssen.

Als öffentlich gefördertes Theater sieht das Theater Stadelhofen deshalb die Erschliessung neuer Publikumsgruppen und die Weiterentwicklung barrierefreier Angebote als wichtigen Auftrag. «Menschen mit Hörbehinderungen müssen die Möglichkeit haben am kulturellen Leben und Angebot teilhaben zu können, wenn sie das wollen.»

Erste Erfahrungen mit den Brillen

Mit dem Testlauf wollte das Theater mehrere Fragen klären. Einerseits sollte herausgefunden werden, wie die Untertitel-Brillen bei schwerhörigen und gehörlosen Erwachsenen ankommen. Andererseits wollte das Team prüfen, ob die eingesetzte Technik bereits den Anforderungen genügt und wie sich eine solche Vorstellung organisatorisch umsetzen lässt. Dabei spielte der Austausch mit dem Testpublikum eine zentrale Rolle.

Das Theater wollte erfahren, welche Funktionen bei den Untertitel-Brillen für die Nutzer*innen entscheidend sind. Dabei ging es unter anderem um die Grösse und Helligkeit der Schrift oder die Platzierung der Untertitel im Sichtfeld. Ebenso stellte sich die Frage, wie einfach die Brillen in der Anwendung sein müssen, damit sie im Alltag tatsächlich genutzt werden. Für Line Eberhard war besonders wichtig, dass die Brillen möglichst einfach zu bedienen sind: «Die Brillen müssen im Vorstellungs-Alltag im Theater einfach funktionieren.»

Einige Rückmeldungen zeigten aber auch, dass es je nach Person unterschiedliche Bedürfnisse gibt. Innerhalb des Testpublikums gab es unterschiedliche Meinungen, Vorlieben und Bewertungen der Untertitel-Brillen. Trotzdem wurde beim Testlauf deutlich, dass Untertitel-Brillen mit der richtigen Technik und Software für viele schwerhörige und gehörlose Menschen ein grosser Gewinn sein können.

Projekt wird weitergeführt

Für das Theater Stadelhofen war der Testabend deshalb kein Abschluss, sondern ein erster wichtiger Schritt. Weitere technische Lösungen und Modelle sollen nun geprüft werden. Besonders wichtig bleibt dabei der Austausch mit Menschen mit Hörbehinderungen. Besonders überrascht habe das Theater vor allem, «dass nicht mehr Theater in der Schweiz an dieser Idee dran sind.» Gerade für ein Theater mit jungem Publikum spielt dies eine wichtige Rolle.

Kinder mit und ohne Behinderungen sollen Theater erleben und ausprobieren können. Für jüngeres Publikum werden dabei auch andere Formen der Zugänglichkeit geprüft. Je inklusiver diese Erfahrungen sind, desto besser. «Barrierefreiheit kann zudem nur funktionieren, wenn die Lösungen gemeinsam mit der Community entwickelt werden», betont Marcel Grissmer. Das Theater hofft deshalb, dass künftig noch mehr Menschen mit Hörbehinderungen den Weg ins Theater finden werden.